Wie begleite ich mein Kind auf dem Weg der Digitalisierung in das neue Jahrzehnt?

„Papa, meine Freunde bekommen zu Weihnachten ein Smartphone, wann bekomme ich meins?“

Einige Eltern begegnen dieser Frage mit Ängsten und einem merkwürdigen Gefühl, denn unsere Kleinen wollen nun groß werden. Wir sorgen uns um unsere Kinder und sehen schon die Gefahren der digitalen Welt auf sie zukommen. Erste Reaktion? Gegenwehr und Ablehnung.

Und danach? Am Ende gewinnt das Kind, bekommt das Smartphone und wir hoffen, dass alles gut gehen wird und das Kind damit umzugehen lernt. Aber woher sollen unsere Kinder die notwendigen Fähigkeiten erlernen, um mit einem Smartphone, mit den neuen Medien umzugehen, wenn wir es ihnen als Eltern nicht zeigen und wenn außerhalb kein pädagogisches Angebot zur Verfügung steht?

Die Eingangsfrage meines Artikels soll vom Beginn einer Reise mit unbekanntem Ziel erzählen. Ein neuer Weg, auf dem wir unsere Kinder auf keinen Fall allein lassen sollten. Wir sollten uns als Eltern das Thema Medienbildung zu einer Herzensangelegenheit machen und uns mit unseren Kindern über Wochen, Monate und sogar Jahre hinweg gemeinsam damit beschäftigen.

Wir sollten uns als Eltern das Thema Medienbildung zu einer Herzensangelegenheit machen

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich sehr intensiv mit dieser Thematik. Initial habe ich die #digitalwerkstatt mit ihrer prominentesten Botschafterin #VerenaPausder als Konzept kennengelernt. Ich finde, wir benötigen genau solche Konzepte und Angebote, die gleichzeitig pragmatische und konkrete Impulse bieten und diese „Situation mit dem Smartphone“ verbessern, denn wir haben

  • ein überfordertes Schulsystem,
  • eine Gesellschaft die traditionell eher Probleme als Chancen erkennt und
  • überforderte Eltern, die wenig Zeit und Erfahrung haben, sich dem Thema zu widmen oder manchmal auch gar kein Smartphone besitzen oder es nur als „notwendiges Übel“ bezeichnen.

Ich beobachte auch, wie wir uns als Eltern stundenlang mit unseren Kindern beschäftigen und dabei als Vorbilder agieren. Wir erlernen unermüdlich unseren Kindern das Spielen, das Lesen, das Fahrradfahren, das Schwimmen, wir investieren Geld und Zeit in Freizeitaktivitäten. Und das ist gut so.

Die digitalisierte Gesellschaft, in der wir leben, versteht Smartphones als einen selbstverständlichen Begleiter. Dennoch sind Smartphones in den Schulen in der Regel nicht gut angesehen und meistens verboten und wir als Eltern sind meist überfordert und vermeiden eine Auseinandersetzung mit der Medienerziehung unserer Kinder. Wir sind in einer „Wissensgesellschaft“ erzogen worden und tun uns schwer mit der neuen „Lernenden Gesellschaft“, in der wir die Antworten nicht alle wissen und in der es auch gar nicht mehr darum geht alles zu wissen. Wir lassen in der Regel unsere Kinder allein mit dem Smartphone-Umgang; unsere Kinder sollen mehr oder weniger die benötigten Fähigkeiten selbständig erlernen.

Wir sind in einer „Wissensgesellschaft“ erzogen worden und tun uns schwer mit der neuen „Lernenden Gesellschaft“,

Zugegeben, ich konnte mich dem Gruppenzwang nicht entziehen und meine Tochter bekommt bald ihr erstes Smartphone. Ursprünglich hatte ich versprochen zu Weihnachten ihr ein Smartphone zu schenken. Wir haben aber intern in der Familie das Thema “Smartphone unterm Weihnachtsbaum” geändert auf “Smartphone irgendwann in den nächsten Wochen/Monaten, wenn wir dafür bereit sind” und so auch gelernt, dass ein Versprechen überprüft und neu bewertet werden kann. Hinzu kommt eine mit meiner Tochter gemeinsam getroffenen Abmachung:

  1. Sie übernimmt selbständig einen Teil der Beschaffungskosten
  2. Sie macht mit mir einen „Smartphone Führerschein
  3. Sie bekommt das Smartphone nur dann, wenn Punkt 1 erfüllt und Punkt 2 gestartet ist
Es wurde kein Alt-Text für dieses Bild angegeben.

Es ist für mich persönlich sehr wichtig, dass meine Tochter sich mit dem Thema Kosten frühzeitig auseinandersetzt und wahrnimmt, dass ein Smartphone erhebliche Kosten mit sich trägt, sowohl in der Beschaffung als auch in der täglichen Nutzung. Wir haben so z.B. eine Selbstbeteiligung von 80€ ausgemacht für die Beschaffung des Smartphones. Dieses Geld „verdient“ sie sich mit hausinternen Aufgaben wie Auto waschen und saugen, als Babysitterin der kleineren Geschwister, Fenster putzen, u.v.m.

Es geht in diesem Schritt, um einen bewussten Umgang mit einem leistungsfähigen Stück Technik, dass mehr Rechenleistung besitzt als die Apollo 11, die zum Mond geflogen ist und das für die Produktion erhebliche Fußspuren in unserer Umwelt und Gesellschaft hinterlässt. Wir haben das Thema Kostenbeteiligung für die Nutzung noch nicht diskutiert, da dieses Thema Teil des Führerscheins sein wird.

Der zweite Punkt der Abmachung ist der von mir selbstentwickelte „Smartphone-Führerschein“, den ich in diversen Plattformen veröffentlichen werde, damit jeder, der möchte, davon profitieren kann. Ich habe die zu behandelnden Themen aus vielen Quellen zusammengetragen. Ich finde wir müssen bei diesem Thema nicht jedes Mal das Rad neu erfinden und Eltern sollten schneller Unterstützung finden. Ich habe viel Information im Internet gefunden, aber nur wenig davon ist in pragmatischer Art und Weise zusammengefasst.

Die wichtigsten Inhalte des Führerscheins, die ich Stück für Stück in den nächsten Wochen veröffentlichen werde, sind:

  • Wie funktionieren Smartphones allgemein? Hier verstehen wir, was generell benötigt wird, um mit anderen Personen und Internet-inhalten zu interagieren.
  • Wie funktioniert die Technik dahinter? Wir gehen einen Schritt weiter und verstehen welche Art von Kommunikations-Techniken benötigt werden, damit das Smartphone sich mit der Außenwelt verbinden kann.
  • Wie funktioniert der Store? Wir verstehen allgemein wie der Store aufgebaut ist und welche Kauf-Möglichkeiten existieren. Bei jeder neu zu installierender App wird dieser Schritt wiederholt
  • Nicht nur Apps konsumieren, sondern auch produzieren und produktiv mit Apps umgehen. Wir setzen uns bewusst auseinander mit unserem Konsumverhalten und wie wir Smartphones anders nutzen können, um mehr davon zu profitieren und selbst zu Produzenten zu werden
  • Nutzungsregeln unter Freunden und in der Familie. Keine Nutzung ohne Regeln. Für Familie und Freunde werden Verhaltensregeln ausgearbeitet und mit passenden Familiy-Tools umgesetzt.
  • Konsequenzen, Datenschutz, Jugendschutz, Haftung. Welche Konsequenzen bringt mein Handeln und das der anderen mit sich?

Die Themen geben mir eine Richtung, die flexibel angepasst werden kann, je nachdem wie die Diskussion mit meiner Tochter fortschreitet.

Ich freue mich auf den Ideenaustausch mit euch und andere Erfahrungswerte, die uns allen weiterhelfen können. Schreibt in den Kommentaren eure Gedanken, ich freue mich riesig darüber.

1 thought on “Wie begleite ich mein Kind auf dem Weg der Digitalisierung in das neue Jahrzehnt?

  1. Pingback: Es geht um unsere Haltung gegenüber Neuen Medien und der Digitalisierung unseres Alltags (Teil 2) – Rafael Sánchez Moreno

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.