
Dieses Jahr fühlt sich an wie ein Feld, das ich intensiv bearbeitet habe.
Manches ist gewachsen. Manches durfte ich ernten. Und manches gehörte zum Experimentieren – mit offenem Ausgang.
In diesem Jahr wurde mir klar:
Der Weg geht immer weiter – und mit dem, was wir säen, können wir Vielfalt in der Welt und in der Gesellschaft ermöglichen.
2025 war kein Jahr der schnellen Erfolge.
Es war ein Jahr, in dem sich einzelne Linien zu einem ganzheitlichen Weg verbunden haben.
Was dieses Jahr für mich sichtbar geworden ist
Zugehörigkeit – 25 Jahre Deutschland, endlich peruanerdeutsch
Ein sehr sichtbarer Meilenstein war meine Einbürgerung – nach 25 Jahren in Deutschland.
Nicht als Ziel, sondern als Anerkennung dessen, was längst Realität ist.
Identität ließ sich für mich nie binär denken.
Nicht entweder Peru oder Deutschland.
Sondern beides – für mich, für meine Familie, für meine Kinder.
Diese Erfahrung hat meine Gedanken dieses Jahres stark geprägt:
Zugehörigkeit ist kein Formular und kein Eid vor einem Sachbearbeiter.
Sie ist ein Gefühl, ein Alltag, und eine Verantwortung, Vielfalt und Offenheit sichtbar zu machen.
Welten zusammenführen
Dieses Jahr habe ich mich mit einer Frage beschäftigt, die mich schon lange begleitet:
- Wie viel von mir ist privat?
- Wie viel ist beruflich?
- Wie viel darf, soll oder will ich zeigen?
Lange habe ich versucht, Ehrenamt, Beruf, Familie und gesellschaftliches Engagement sauber voneinander zu trennen – aus Vorsicht, aus Loyalität, aus Angst vor Reibung.
Dieses Jahr habe ich verstanden:
Ich bin nur eine Person.
Und diese eine Person bewegt sich in mehreren Welten gleichzeitig.
Nicht die Trennung bringt Klarheit.
Integration ermöglicht uns, ganzheitlicher zu wachsen und uns weiterzuentwickeln.
Care-Arbeit und Menschlichkeit
Ein weiteres zentrales Thema war die Auseinandersetzung mit Care-Arbeit, mentaler Last und unsichtbarer Verantwortung in einer kapitalistischen, konsumbasierten Gesellschaft.
Unsere Gesellschaft misst Arbeit noch immer zu eng. Leistung wird bezahlt – Fürsorge oft übersehen.
Dieses Jahr habe ich gelernt, genauer hinzuschauen und bewusster zu würdigen:
das, was trägt, stärkt und verbindet – auch wenn es nicht im Lebenslauf steht.
Meine Masterthesis als die begleitende Spur
Parallel zu all dem lief meine Masterthesis im Master of Science in Sustainability, Entrepreneurship & Technology an der Tomorrow University.
Sie war kein isoliertes theoretisches Projekt, sondern ein Reflexionsraum, der vieles zusammengeführt hat.
Die Idee entstand im Alltag – aus der Beobachtung, dass Organisationen oft gut funktionieren, und sich Menschen darin trotzdem verlieren können.
Meine Thesis fragt nicht nach neuen Tools oder Methoden, sondern nach etwas Grundsätzlicherem:
Wo ist der Mensch in Organisationen geblieben?
Sie begleitete mein Jahr wie ein Spiegel:
- Sie hat mir geholfen, Spannungen bewusster wahrzunehmen.
- Sie hat mir erlaubt, Organisationen als lebendige Organismen zu betrachten.
- Und sie hat mir gezeigt, dass Transformation leise beginnt – in Wahrnehmung, Beziehung und innerer Haltung. Schritt für Schritt.
Mein Abschluss bei der ToU ist Teil der Ernte. Und gleichzeitig ein Samen für alles, was noch wachsen darf.
Ernten & Säen
Ernten heißt: innehalten, dankbar sein und die Fülle anerkennen – wenn wir uns Zeit zum Wachsen geben.
Säen heißt: vertrauen, loslassen und weitergehen – mit Offenheit für das, was sich zeigen will.
Dieses Jahr war beides.
Und vielleicht ist genau das die Haltung, die ich gerade brauche:
Nicht schneller werden – sondern bewusster.
Nicht lauter – sondern klarer.
Der Weg geht weiter.
Und ich bin bereit, jeden Tag aufs Neue zu säen.