
Es ist der 24. Februar. Ich bin in Berlin. Und dieser Tag fühlt sich widersprüchlich an.

Wir gedenken des vierten Jahrestags des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.
Ein Krieg, der nicht nur territoriale Grenzen verschiebt, sondern auch das Vertrauen in Stabilität, Frieden und internationale Ordnung erschüttert.
Gleichzeitig wird im Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das Ich als Rückschritt in der Klimapolitik verstehe, nämlich die Abkehr vom sogenannten Heizungsgesetz.
Wie ernst meinen wir es mit Klimaschutz, wenn kurzfristige politische Bewegungen und Lobbyarbeit langfristige Verantwortung überholen?
Und als wäre das nicht genug, erleben wir die Kürzung von Sprachkursen für Geflüchtete und eine zunehmend restriktive Debatte rund um Migration und Integration.
Es ist ein Tag, an dem vieles gleichzeitig passiert. Und vieles davon fühlt sich nicht nach Aufbruch an.
Und auch: Ein anderes Bild
Am selben Tag bin ich eingeladen zur Vorstellung des Reformplans des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:
„Zukunft zusammen global gestalten“.

In einer Welt, die sich polarisiert, in der geopolitische Spannungen zunehmen und in der viele Gesellschaften sich verunsichert fühlen, war es überraschend beruhigend zu sehen:
Es gibt politische Räume, in denen Zukunft nicht als Bedrohung, sondern als Gestaltungsauftrag verstanden wird.
Das klingt fast naiv. Ist es aber nicht.
Im BMZ wird klar benannt:
Demokratie, Menschenrechte, Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit sind keine Nebenthemen. Sie sind strategische Pfeiler der Bundesrepublik Deutschland. Eine „Superpower“, wie Frau Ministerin Alabali-Ravodan formuliert.
Entwicklungszusammenarbeit ist auch Innenpolitik
Was mich besonders beschäftigt hat, ist ein Gedanke, den wir in Deutschland noch stärker verinnerlichen müssen:
Außenpolitik und Innenpolitik lassen sich nicht künstlich trennen.
Entwicklungszusammenarbeit ist kein moralisches Hobby eines reichen Landes.
Sie ist sicherheitspolitisch relevant.
Sie stärkt Demokratien.
Sie stabilisiert Regionen.
Sie wirkt – auch auf Deutschland zurück.
In einer Welt, in der sich manche Großmächte aus multilateraler Verantwortung zurückziehen, setzt Deutschland hiermit ein wichtiges Signal:
Zusammenarbeit statt Isolation.
Wertebasiertes Handeln statt Machtpolitik.
Partnerschaft statt Dominanz.
Natürlich bleiben Fragen offen. Natürlich wird nicht die Reform sofort funktionieren. Und natürlich braucht es kritische Begleitung. Auch durch die Diaspora Community.

Der Prozess ist gestartet. Und das ist entscheidend:
Nicht Perfektion – sondern Bewegung nach vorne bringt uns weiter.
Verantwortung statt Rückzug
In einer global vernetzten Welt ist Rückzug keine Lösung. Die Krisen des Klimas, der Migration, der Sicherheit oder der wirtschaftlichen Stabilität machen nicht an Landesgrenzen Halt.
Wer Innen- und Außenwirkung zusammendenkt, erkennt:
Internationale Zusammenarbeit schützt auch die eigene Gesellschaft.
Ich glaube, es geht auch nicht darum, die Welt zu retten. Es geht darum, Verantwortung in der Welt zu übernehmen.
Warum dieser Tag bleibt

Dieser 24. Februar bleibt für mich ein Tag der Ambivalenz.
Er zeigt, wie fragil Fortschritt ist. Wie schnell politische Entscheidungen Vertrauen erschüttern können. Und gleichzeitig, wie wichtig es ist, Räume der Gestaltung offen zu halten.
Ich habe an diesem Tag verstanden:
Hoffnung ist keine naive Haltung. Sie ist eine Entscheidung.
Und ich freue mich, Teil eines Prozesses zu sein, der versucht, Zukunft nicht als Angstbild, sondern als gemeinsamen Auftrag zu begreifen.
Zukunft zusammen global gestalten
Das ist meine Haltung.