Ein neues Kapitel

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Stell dir vor, du kommst in ein fremdes Land und wirst von seinen Repräsentant:innen empfangen. Es gibt Essen und Trinken. Man feiert dich – weil du dieses Land ausgewählt hast.

Und dann gibt es ein anderes Bild.
Du wirst zu einer Einbürgerungsfeier eingeladen, weil du im letzten Jahr die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten hast. Du wirst willkommen geheißen als neue:r Bürger:in einer Stadt, zu der du seit Jahrzehnten gehörst. Nach vielen Abenteuern und Widerstände. Nach viel Resilienz.

Man zeigt dir Wege der Integration, obwohl du längst Teil dieser Gesellschaft bist und sie gestaltest. Und das nicht erst seitdem du dieses Papier in der Hand hältst.

Die Veranstaltung war eloquent, nett, humorvoll und gut organisiert.
Und trotzdem blieb bei mir ein ambivalentes Gefühl.
Ist das wirklich der Moment, an dem wir uns als Gesellschaft begegnen wollen?
Erst dann, wenn etwas abgeschlossen ist?
Wenn ein Ziel erreicht wurde?

Dabei beweisen so viele Menschen jeden einzelnen Tag, dass sie dazugehören. Wir gestalten. Wir tragen. Wir sind da – schon lange.

Und genau hier liegt eine große Chance:
uns früher, ehrlicher und auf Augenhöhe zu begegnen.
Vielleicht wäre die schönere Anerkennung nicht nur ein feierlicher Akt am Ende eines langen Weges, sondern ein aufrichtiges
„Danke, dass ihr da seid. Danke, dass ihr all die Jahre da wart. Und danke, dass ihr trotz aller Hürden geblieben seid.“

Denn was uns unterscheidet, ist nicht unser Beitrag.
Es ist oft nur ein zusätzliches Papier.
Und die Frage, wie gerecht wir unseren gemeinsamen Alltag gestalten.

#Demokratie #Gerechtigkeit #WirSindDasStadtbild #Anerkennung