Home-Schooling als Chance für digitale Kompetenzen

Wer eine Familie mit kleinen Kindern hat, der kennt seit mind. 5 Wochen die folgende Situation:

Als Eltern mit Kindern sind wir überproportional mit der aktuellen Krise beschäftigt.

Für die Kinder sind Schule, Freunde und Freizeitaktivitäten weggefallen und somit hat sich eine ganze Kinder-Welt von jetzt auf nachher komplett verändert. Wir Eltern verlangen von unseren Kindern viel Verständnis für diese Pandemie und für die jetzige Familien-Situation und außerdem müssen sie plötzlich komplexe Zusammenhänge nachvollziehen können, bei Schul- und bei Krankheitsthemen. Wir sind gefordert Notfall-Konzepte zu entwickeln, um den Alltag gemeinsam zu schaffen.

Für mich bedeutet das konkret: Meine 2 Kindergartenkinder bleiben vorerst daheim. Meine Fünftklässlerin auch. Und währenddessen arbeite ich im Home-Office. #wirbleibenzuhause

Meine Kindergartenkinder bekommen ab und zu Grüße von der Kindergartenleitung und das eine oder andere Spiel oder eine Aufgabe per Mail zugeschickt. Ich bin hier dankbar dafür, dass meine Frau in dieser Zeit nicht viel arbeiten muss, so dass sie Tag für Tag zwischen Mama und „Kindergartenerzieherin“ jonglieren kann.

Meine Fünftklässlerin (öffentliche Schule, Gymnasium) bekommt ihre Aufgaben mal per Mail, mal per Moodle zugestellt. Der Anfang war mehr als holprig. Inzwischen hat sich da so etwas wie ein Rhythmus eingespielt, wobei von einem modernen Ablauf nicht die Rede sein kann. Und dazu muss gesagt werden, dass wir über einen Drucker verfügen, um die Aufgabenblätter auszudrucken, was nicht überall selbstverständlich ist.

Meine Kinder müssen mit mir Tag für Tag auskommen, und ich mit meinen Kindern. Ich gehe zurzeit nicht davon aus, dass meine Kinder in diesem Schuljahr 19/20 zum Kindergarten oder in die Schule zurückkommen können. Daher stellt sich die Frage:

Was tun?

Mein Beitrag in dieser Zeit lautet:

Lasst uns in den virtuellen Welten unsere eigenen Erfahrungen sammeln!

Ohne Konsum, sondern mit Kreativität und Offenheit Neues auszuprobieren.

Ich habe in den letzten Wochen einen „virtuellen Erfahrungsraum“ mit der Klasse meiner Tochter ins Leben gerufen, in dem wir uns 2 Mal pro Woche „treffen“ und den Umgang mit digitalen Medien ausprobieren. Ausgegangen von Verhaltensregeln in Videochats haben wir in einer sehr autodidaktischen Art und Weise das Arbeiten am Smartphone/Tablet/Laptop/PC geübt. Es gibt keine Pflicht, kein Muss. Wer Lust und Zeit hat, macht mit.

Kinder arbeiten zusammen und malen analog und digital, singen, spielen, stellen sich Schulfragen, kreieren Märchen und Gedichte. Aktuell arbeiten wir zusammen an der Erstellung eines eBooks, wo wir alle gewonnenen Erkenntnisse einfließen lassen können.

Meine Wahrnehmung als Moderator:

Die Kinder haben Spaß!

Nicht nur Neues auszuprobieren liegt ihnen sehr, sondern auch dass sie teilweise eine neue Seite von anderen Mitschülern bekommen und „das manche netter sind als man dachte.“

Da die Resonanz, sowohl von den Eltern als auch von den Kindern gut ist und die Schulen weiterhin geschlossen bleiben, werde ich das Angebot weiterhin anbieten.

Und warum das Ganze?

Vor vielen Jahren hatte ich als Werkstudent meine ersten Erfahrungen mit Schule und Digitalisierung. Damals hatte ich das Glück die Entwicklung einer Realschule zu begleiten welches Medienbildung als festen Bestandteil vorsieht. Schon damals war es allen klar, dass die IT-Landschaft einer Schule professionell verwaltet werden muss und dass die Konzepte sich auf eine digitalisierte Gesellschaft erweitern müssen, um in dieser globalisierten Welt Schritt halten zu können.

In den letzten Wochen ist es vielen Schulen, Eltern und Schulkindern klarer denn je geworden, dass dieser Auftrag nicht erfüllt worden ist:

Nämlich Kinder für die digitale Zukunft vorzubereiten.

Und es ist momentan keine Besserung in Sicht.

Wir Eltern sollten die Medienbildung unserer Kinder fördern und die notwendigen Maßnahmen dafür ergreifen. Als meine Kinder noch kleiner waren, haben sich meine Frau und ich bemüht gute Spielzeuge, schöne Bücher und alles Notwendige zu besorgen, damit die Entwicklung der Kinder gefördert und ihre Kreativität angeregt werden kann.

Nun gehört auch eine gute Internetverbindung und gute Hardware zur Kinderförderung dazu.

Diesen letzten Satz mag elitär, sogar unfair klingeln, ist aber nicht so gemeint.  Ist meine Beobachtung einer globalen Realität. Spätestens mit dieser Krise muss uns das bewusst werden.

Ich bin überzeugt, dass diejenigen, die nicht mit Medien und Technologie kreativ und produktiv umgehen können, nicht Teil der nächsten großen Welle sind. Und das wird meine Kinder und deren Freundeskreise betreffen. Und nur weil ich in Deutschland lebe, wird es deswegen nicht besser.

Daher sehe ich jeden Einzelnen hier in der Pflicht entweder auf mögliche Angebote der Medienbildung zurückzugreifen oder sich nun selbst mit der Thematik auseinanderzusetzen und selbst mit unseren Kindern diese Welt erkunden, ergebnisoffen und experimentierfreudig.

Welchen Weg geht ihr?  Was probiert ihr aus? Was fällt euch schwer?

2 thoughts on “Home-Schooling als Chance für digitale Kompetenzen

  1. Pingback: Dem Wandel positiv begegnen – Rafael Sánchez Moreno

  2. Pingback: #wirfürschule – Ohne Ängste Neues gestalten – Rafael Sánchez Moreno

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